Die Lego-Stadt löste mehr als nur einen Denkprozess aus

David und Lea
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„Die macht das doch nicht absichtlich“ – stellt sich der mittlerweile 12-jährige Bruder vor seine kleine Schwester und versucht uns davon abzuhalten, mit dem Mädchen zu schimpfen, weil sie gerade seine Lego-Stadt in Schutt und Asche gelegt hatte. Die Lego-Stadt löste mehr als nur einen Denkprozess aus.

David hat zu seiner Schwester eine besonders intensive Beziehung. Unsere Kinder sind zu Hause geboren, bei Leas Geburt war David als Fünfjähriger dabei und hat erlebt, wie ein Mensch zur Welt kommt. Trotz vieler Vorbehalte und lautstark geäußerter Erklärungen, wir seien doch verrückt, ein Kind dabei zu haben. wenn die Mutter Schmerzen hat, haben wir David damals die Freiheit gelassen, selbst zu entscheiden. Er hat dies nie bereut – im Gegenteil, sein Stolz, der erste Mensch gewesen zu sein, der Lea damals berührt hat und der sie streicheln durfte, ist mit nichts in der Welt aufzuwiegen.

Heute hat nicht nur David seiner behinderten Schwester gegenüber eine Beziehung, die zwischen Sorge, Behütung und Verantwortung schwebt. Auch der erst dreijährige Marian weiß, seine Schwester zu behandeln. Stumme Absprachen, gestikulierte Kommunikation findet zwischen den Kindern statt, in deren Codierung selbst wir als Eltern selten eindringen können, Kinder gehen mit Behinderung anders um.

Suchen behinderte Kinder andere behinderte Kinder? Haben Kinder eine Sensibilität für Handicaps entwickelt, die wir mit der immer moderner werdenden Integration zu überdecken versuchen? Wo es machbar ist, sollte Integration in Kindergärten und Schulen stattfinden. Machbar aber ist es nur da, wo ohnehin ein Kontakt zwischen allen Beteiligten stattfinden kann. Integration der Integration willen geht nach unseren Erfahrungen nicht nur auf Kosten der dafür nicht ausgebildeten Pädagogen, sondern auch zu Lasten aller Kinder.

Ein Problem, das die Eltern haben

Die Schwierigkeit, mit der wir als Eltern uns damit abfinden mussten, dass unsere Tochter nicht zu einer Regelschule wird gehen können, mit der wir erst nach vielen Gesprächen mit Ärzten, aber auch mit Freunden und Bekannten begriffen haben, dass auch eine ‚Integration“ nach vorherrschendem Modell aufgrund der Schwere der Behinderung gar nicht in Frage kommen kann, ist ein Problem, das wir als Eltern haben. Die Erwachsenen, die EItern, die Verwandten oder Freunde haben ein Problem damit, wenn ein Kind behindert ist, nicht das Kind selbst. Diese Erkenntnis hilft uns heute weiter, war aber schwer zu erringen.

Wenn wir uns in dieser Leichtigkeit und Unbeschwertheit eines Kindes mit dem Thema Behinderung befassen und dann erkennen, dass es ohne weiteres Perspektiven für ein schwer geistig behindertes Mädchen gibt – wichtigste Perspektive nämlich, ein glückliches Leben zu führen, dann werden Rechnen, Schreiben und Lesen zu rudimentären Nebensachen.

Lea steht vor der Lego-Stadt ihres Bruders und schaut zu, wie der wieder alles aufbaut. Vielleicht ist sie beim nächsten Mal vorsichtiger, vielleicht hat sie etwas sehr wichtiges gelernt. (24. September 1999)

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